Ich schreibe, seit ich denken kann. Über Jahre hinweg war das Schreiben für mich ein Werkzeug: zum Unterstützen, Analysieren, Entleeren, Sortieren, Erklären. Es war immer zweckgebunden. Ich nutze auch Morgenseiten, um meine Gedanken zu sortieren. Das funktioniert als Ventil wunderbar.
Aber jetzt versuche ich, einen „Kaffee-Moment“ für stonelett zu finden. Der Übergang vom privaten Entleeren hin zum öffentlichen Teilen der Beobachtungen gelingt mir noch nicht so gut. Es fühlt sich an, als würde ich versuchen, die Komplexität der Morgenseiten in ein Format zu zwingen, für das sie nicht gedacht sind.
Wobei: Der Gedanke selbst ist ja da. Ich muss ihn nicht suchen. Doch sobald ich ihn beobachten und für diesen Rückzugsort aufschreiben möchte, macht er sich schwer und will sich verstecken.
Spannend. Vielleicht liegt es an meinem Anspruch: Ich will das Wesentliche destillieren, bevor ich den Moment überhaupt zugelassen habe. Ich glaube, ich muss verlernen, dass jeder Satz eine Aufgabe erfüllen muss. Es ist ein ungewohntes, offenes Schreiben. Ich übe gerade das Weglassen. Schritt für Schritt.
Und während ich das so schreibe, denke ich mir: Ich schreibe, dass das Schreiben immer ein Werkzeug war und ich das Weglassen nun übe. Somit ist es auch jetzt wieder ein Werkzeug und damit gar nicht mehr so ohne Zweck.
Vielleicht werde ich nie „zweckfrei“ schreiben können. Weil mein Gehirn genau darauf programmiert ist, Ordnung in das Chaos der Gedanken zu bringen. Und vielleicht akzeptiere ich einfach, dass mein Geist ein Werkzeugmacher ist …


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